Mittwoch, 7. März 2018

Das Wesen der Zeit

Foto: © Wanyava - Sabine Caspary 
"Als Gott die Zeit machte, hat er genug davon gemacht." Heinrich Boll - Irisches Tagebuch

Der Beginn der Zeit war der Moment, in dem sich der menschliche Geist aus dem Schlaf der unbewussten Einheit mit allem was ist, erhob.

Was ist Zeit?
Zeit ist ein Konstrukt. Eine menschliche Vorstellung die Ewigkeit in kleine Momente - in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einzuteilen.

Zeit ist nicht real. Die Begriffe Vergangenheit und Zukunft bezeichnen Augenblicke der Gegenwart, die für uns nur in Gedanken greifbar sind. Tatsächlich existieren sie nicht. Real ist nur der gegenwärtige Moment. Immer. Zu jeder Zeit. So wie der nächste Moment auch wieder greifbar und real ist. Und der danach auch. Und jeder dieser kleinen Momente ist ein Teil von der Ewigkeit, die zusammen die vollständige Einheit bilden. Und diese ist zeitlos. In der absoluten Einheit der göttlichen Quelle allen Seins existiert keine Zeit.

Wer in seinem Alltag der Zeit hinterher rennt und meint ihr einen erhöhten Stellenwert beimessen zu müssen - wer meint, die Momente einfangen zu können - wer glaubt keine Zeit zu haben - wer anderen keine Zeit lässt - der hat nicht verstanden, dass das Konzept der Zeitersparnis und effektiver Zeiteinteilung eine ähnliche Wirkung hat als würde jemand versuchen den Ozean mit bloßer Hand zu fangen.

So wie die Wassertropfen durch die Finger rinnen, ohne dass eine Chance bestünde sie festzuhalten, so rinnt die Zeit davon. Und jeder noch so verzweifelte Versuch sie aufzuhalten - anzuhalten ist unweigerlich zum Scheitern verurteilt, weil dadurch versucht wird aufzuspalten was zusammen gehört, was ewig und eins ist.

Wer keine Zeit hat, entfernt sich ein Stück weit von dieser Einheit - von der seelenvollen Geborgenheit in der Zeitlosigkeit. Ist es verwunderlich, dass viele Menschen, die unter enormen Zeitdruck stehen, unter Schlaflosigkeit, Ängsten und Depressionen leiden?
Krankheiten entstehen durch Disharmonie - durch eine Entfernung der Seele von dem harmonischen Allganzen.

Zeitdruck - Zeitmangel - minutengenaue Zeiteinteilung - all das sind Faktoren, die dem menschlichen Bewusstsein einen ungesunden Leidensdruck bescheren und es fortziehen sollen von dem friedvollen Zustand des Zeit habens.

Unsere Gesellschaft lässt zu, dass mit der Akzeptanz des Zeitdrucks Arbeitsbedingungen geschaffen werden, die ein regelrecht lebensfeindliches Umfeld fördern. Sie bietet den Unternehmen von denen eines Ihrer wichtigsten Instrumente zur Kontrolle ihrer Mitarbeitern der Zeitdruck ist, immer noch zu wenig Widerstand. Sie lässt denen, die dieses Konzept unterstützen und von den Machtstrukturen solcher Firmen profitieren, viel zu viel Raum.

Wie befreiend dagegen ist es zu sagen: Ja, ich habe Zeit.
Zeit für meine Aufgaben. Zeit für dich. Zeit für die, die ich liebe. Zeit für das, was ich liebe. Zeit für die Verbindung mit meinem Inneren - mit meiner Seele.
Wie viel Kraft wird dabei frei, wenn man aufatmen und sagen kann: ich habe Zeit...

Und paradoxerweise führt das Annehmen der Vorstellung Zeit zu haben, direkt wieder zur Ewigkeit zurück - genau an diesen Punkt, an dem in der allumfassenden Einheit keine Zeit existiert - wo nur der Moment real ist. Sich in diesen Zustand zu vertiefen kann sehr heilsam sein. Zu dieser Quelle der Heilung, die viele von uns in irgendeinem Bereich ihres Seins dringend benötigen, kann derjenige Zugang finden, der sich vom Zeitdruck abwendet. Irgendwann sollte jeder damit anfangen.
Am besten jetzt gleich.
Es ist Zeit.